ESG in der Praxis – Einblicke in die Best Practice der Lufthansa Industry Solutions

Im Rahmen der LeadershipGarage Impuls-Session , zu der rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zugeschaltet waren, drehte sich alles um das Thema Environmental, Social, Governance, kurz: ESG. Nach einer forschungsbasierten Einführung in das Thema, die unter anderem zeigte, dass ESG zwar von der Mehrzahl der Führungskräfte als sehr wichtig befunden, in der Mehrzahl der Unternehmen jedoch nicht umgesetzt wird, drängte sich die Frage auf, wie sich ESG denn erfolgreich in Unternehmen implementieren lässt?

Als eine Antwort darauf, hatte die LeadershipGarage einen weiteren Partner zu dieser Session geladen: Maren André und Stephanie Hackenholt, beide von der Lufthansa Industry Solutions und dort in den Bereichen Corporate und Customer Sustainability tätig, zeigten anhand ihrer mitgebrachten Best-Practice-Beispiele, wie eine gelebte ESG-Strategie in der Praxis aussehen kann.

Nachhaltigkeit nach innen und nach außen

Lufthansa Industry Solutions (LHIND) ist ein IT-Dienstleistungsunternehmen, Beratungshaus und Software-Entwickler und gehört mit 2300 Mitarbeitenden zu den 25 größten IT-Beratungsunternehmen Deutschlands. Zu den Kunden zählt, neben Unternehmen aus den verschiedensten Branchen wie z.B. Volkswagen, Hapag-Lloyd oder Schenker, auch die Lufthansa selbst.

Nachhaltigkeit ist bei LHIND als eine von vier strategischen Säulen fest in der Unternehmensstrategie verankert. Um das Thema im Unternehmen zu etablieren, wurden die Rollen Product Owner (PO) Corporate Sustainability und PO Customer Sustainability geschaffen. Die strategischen Ziele richten sich unter anderem an den Sustainable Development Goals (SDGs) und das über das Pariser Klimaabkommen gefasste 1,5-Grad-Ziel aus.

Die Lufthansa Group als Mutterkonzern hat ihre Ziele in diesem Jahr über die Science Based Target Initiative validieren lassen, bis 2050 CO2-neutral zu werden und bis 2030 die CO2-Emissionen im Vergleich zu 2019 um 50 % zu reduzieren. Folgende Themen werden dabei aufgrund ihres Impacts fokussiert:

  1. Förderung und Nutzung von alternativen Kraftstoffen (sog. Sustainable Aviation Fuels (SAF), durch die 80-100% CO2 eingespart werden kann)
  2. Optimierung der Flotten
  3. Optimierung von Flugrouten und Operations
  4. (Food-) Waste-Vermeidung.

Nachhaltigkeit ist für LHIND aus drei Gründen ein großes Thema: An erster Stelle geht es um die Verantwortung für die Umwelt und darum, alles dafür zu tun, unseren Folgegenerationen eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen. Dies unterstützen wir, indem wir unseren eigenen Fußabdruck reduzieren, soziales Engagement fördern und unsere Kunden dabei unterstützen, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Zweitens geht es darum, die Anforderungen der Kunden zu erfüllen, und drittens geht es natürlich auch darum, den gesetzlichen Grundlagen zu entsprechen.

In Bezug auf die Footprint Reduktion unterstützt das Unternehmen an erster Stelle den Ansatz der CO2Vermeidung, gefolgt von Reduktion und für den unvermeidbaren Rest die Kompensation.

Im Rahmen der LeadershipGarage Impuls-Session zum Thema ESG gaben Maren André und Stephanie Hackenholt von Lufthansa Industry Solutions Einblick in die Nachhaltigkeitsstrategien ihres Unternehmens.

Was bedeutet es bei Lufthansa Industry Solutions konkret, Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen?

Nachhaltigkeit, ganz konkret

Die Ankerpunkte hierfür sind die regelmäßige Erhebung von Daten, um zu überprüfen, wo das Unternehmen hinsichtlich des eigenen CO2-Fußabdrucks steht (Measuring), die unternehmensweite Stärkung des Nachhaltigkeits-Bewusstseins (Creating Awareness) und schließlich die Umsetzung von Initiativen (Getting Active).

So wurde beispielsweise zunächst einmal der Co2-Fußabdruck des Unternehmens berechnet und es wurde die Datenlage begutachtet und analysiert, um festzustellen, wo die größten Hebel in Bezug auf die Reduktion liegen, um darauf aufbauend Reduktionsmaßnahmen ableiten zu können. Zur Verbesserung der Datenbasis wurde bspw. eine Umfrage unter den Mitarbeitenden zu ihrem Pendelverhalten und der Verkehrsmittelwahl (Scope 3) durchgeführt.

Um die Awareness zu steigern, wurden verschiedene Kommunikationsformate aufgesetzt, wie bspw. einen monatlicher Round Table für Sustainability-Vertreter:innen aller Business Units und Service Units; eine monatliche Open Hour für alle Mitarbeitenden und ein monatliches „Lunch & Learn“. Darüber hinaus wurden verschiedene Guidelines entwickelt, beispielsweise Guideline für die nachhaltige Ausrichtung von Events oder die Sustainable-Office-Guideline. Über einen Share-Point werden wichtige Informationen und Neuigkeiten zum Thema geteilt.

Nach dem Motto „Getting Active“ ist das Unternehmen unter anderem gerade dabei, ein Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 zu implementieren; ISO 14001 ist eine Umweltmanagementnorm, die lt. Umweltbundesamt Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem festlegt, mit dem eine Organisation ihre Umweltleistung verbessern, rechtliche und sonstige Verpflichtungen erfüllen und Umweltziele erreichen kann. Weitere Aktivitäten der LHIND sind die Einführung eines unternehmensinternen Mobilitätskonzepts, das Spenden von nicht mehr eingesetzter, aber noch funktionsfähiger Hardware, die Beteiligung an der CleanUp Week oder die Pflegeeigener Bienenstöcke zur Unterstützung der Biodiversität.

Nachhaltigkeit durch digitale Lösungen aktiv fördern

Neben den Nachhaltigkeitszielen des eigenen Unternehmens geht es dem IT-Dienstleistungsunternehmen LHIND genauso darum, die Kunden bei der Entwicklung und dem Erreichen von Nachhaltigkeitszielen mit Hilfe von digitalen Lösungen zu unterstützen.

Dabei verfolgt LHIND einen ganzheitlichen Ansatz und betrachtet Nachhaltigkeit entsprechend der unterschiedlichen Dimensionen, die auch als ESG-Kriterien bekannt sind. Unter ESG werden Aspekte aus dem Bereich Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance) verstanden. Dabei sind für jede dieser Dimensionen wiederum verschiedene Blickrichtungen zu berücksichtigen. Mit der sozialen Verantwortung ist bspw. zum einen der faire Umgang mit den Mitarbeitenden eines Unternehmens gemeint und zum anderen das gesellschaftliche Engagement, das nach außen gerichtet ist.

Als Beispiel, wie LHIND als IT-Dienstleistungsunternehmen mit Hilfe digitaler Lösungen gesellschaftliche Verantwortung übernimmt,

haben Maren André und Stephanie Hackenholt die Kooperation von LHIND mit dem Start-up SPRK.global aus Berlin mitgebracht. Hier unterstützt LHIND bei der Entwicklung einer digitalen Plattform, die eine Umverteilung von Lebensmittelüberhängen zum Ziel hat. Über diese Plattform werden Überangebote auf der einen mit Bedarfen auf der anderen Seite verbunden. Seit der Gründung des Start-Ups konnten so bereits über 1 Million Kilogramm Lebensmittel gerettet und 2,5 Tonnen CO2 vermieden werden. So wird beispielsweise mittlerweile auch der Orangensaft den Kantinen der Lufthansa Group aus „geretteten“ Orangen hergestellt.

Sichtbare und unsichtbare Nachhaltigkeit

Laut Bitkom kann durch Digitalisierungstechnologien eine von fünf Tonnen CO2 vermieden werden und IT ist unumgänglich, zur Erreichung der im Green Deal definierten Ziele. Auf der anderen Seite produzierend die Informations- und Kommunikations-Technologien (IKT) bereits heute 3 % der globalen Emissionen, was mit den Werten der Flugbranche gleichzusetzen ist. Die Tendenz ist steigend und so prognostizieren Studien, dass bereits 2025 5% der globalen Emissionen und 20% des weltweit benötigten Stroms im Bereich der IKT anfallen kann. Das heißt, wir benötigen digitalen Technologien, aber müssen diese nachhaltig gestalten. Vielen ist dabei gar nicht bewusst, dass bereits eine E-Mail schon 10-50 Gramm Co2 emittiert. Eine französische Studie zeigte, dass Mitarbeitende im Schnitt 55 E-Mails pro Tag erhalten und 33 E-Mails verschicken. Daraus resultiert für einen Mitarbeitenden an einem durchschnittlichen Arbeitstag ein Fußabdruck von 2,65 kg CO2, der allein durch E-Mails erzeugt wird. Eine Größenordnung, deren Dimension erst im Vergleich ersichtlich wird: 2,65 kg CO2 entsprechen einer Flugstrecke eines Passagiers von etwa 26 km.

Nachhaltigkeit als Pflichtenheft

Nicht der einzige, aber ein wichtiger Punkt, weshalb die Kunden der LHIND in Nachhaltigkeit investieren, ist der Druck aus globalen Verpflichtungen und Rechtsgrundlagen. Dazu zählt beispielsweise das schon genannte Pariser Klimaabkommen, das ab 2023 gültige Lieferkettensorgfaltspflichtgesetz, das beispielsweise Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung in Lieferketten unterbinden will und die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), nach der ab dem Jahr 2024 auch kleinere Unternehmen verpflichtet sind, nachhaltigkeitsrelevante Kennzahlen zu berichten. Zu alldem kommt schließlich noch der Druck durch die Kunden, die zunehmend nachhaltige Produkte nachfragen und der von Investoren, die nicht mehr auf Unternehmen setzen, die nicht nachhaltig wirtschaften.

Um all diesen Anforderungen gerecht zu werden, umfasst das Nachhaltigkeitsportfolio der Lufthansa Industry Solutions fünf Kategorien, die in der folgenden Darstellung gezeigt werden. LHIND hilft z.B. im Bereich 1. Monitoring & Controlling den Kunden, Transparenz über ihre Nachhaltigkeits-KPI anhand gültiger Standards, wie z.B. die der Global Reporting Initiative (GRI), zu erhalten und darauf basierend Maßnahmen zur Vermeidung von CO2 abzuleiten. Die weiteren Bereiche des Portfolios konzentrieren sich auf spezifische Aspekte, die positiv auf die Nachhaltigkeitsentwicklung des Kunden einzahlen.

Und bei allem gilt das Motto: Jeder kleine Schritt ist ein Schritt in die richtige Richtung. Es geht also nicht darum, gleich den perfekten Masterplan aufzustellen, sondern darum, in Sachen Nachhaltigkeit zu starten.

Vielen Dank Maren André und Stephanie Hackenholt für diese tiefen Einblicke und die wichtigen Impulse für mehr Nachhaltigkeit in Unternehmen!

Hannah VergossenHannah Vergossen
Institut für Performance Management

Digitaler Fingerabdruck:
„Try out and fail fast“ – Unternehmen brauchen agile Prozesse und eine ausgeprägte Fehlerkultur um im Wettbewerb bestehen zu können.

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