Künstliche trifft emotionale Intelligenz

Zu den vielen zukunftsweisenden Eindrücken der CeBIT 2018 gehörte auch der Fachaustausch mit Norbert Janzen, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor bei IBM Deutschland. Er sprach mit den Teilnehmenden der LeadershipGarage über den Einzug der künstlichen Intelligenz in die Personalarbeit.

Wir treffen Norbert Janzen auf dem IBM-Stand und nehmen zusammen mit den Teilnehmenden der LeadershipGarage Platz am großen Arbeitstisch der schicken IBM-Lounge. Unser Thema ist die Künstliche Intelligenz (KI) und deren aktuelle und künftige Bedeutung für die Personalarbeit: Was ändert sich durch den Einsatz von KI für die Personalführung und Personalentwicklung? Welche Erfahrungen und Visionen hat ein Unternehmen wie IBM, wenn es über KI nachdenkt und natürlich auch in der eigenen Personalarbeit einsetzt?

Intelligente Gespräche über Künstliche Intelligenz: Fachaustausch der LeadershipGarage mit Norbert Janzen von IBM auf der CeBIT 2018.

Norbert Janzen startet mit der Personalentwicklung. Hier kommt KI beispielsweise die Aufgabe des Empowerments zu: So können Mitarbeitende auf Basis der Daten, die das entsprechende System über jeden Einzelnen zur Verfügung stellt und aus denen es zudem individuelle Empfehlungen generiert, das eigene Learning vorantreiben. Künstliche Intelligenz bespielt dazu Lernplattformen oder auch Self Assessment Tools. Für die Führungskraft wiederum bedeutet das, sich ganz auf ihre Rolle als Career Coach fokussieren zu können, also darauf, jeden Mitarbeitenden in seiner Entwicklung zu begleiten und zu unterstützen. Dabei erhöhen die vorliegenden Daten die Wissensschnittstelle von Führungskraft und Mitarbeiter, denn die Datenbasis zeigt beiden, auf welchem Stand sich dieser in diesem Augenblick befindet, welche Tools er mit welchen Ergebnissen genutzt hat, wie sich seine Fähigkeiten entwickeln. Die Führungskraft kann auf diese Weise deutlich besser vorbereitet in Mitarbeitergespräche gehen und die für dieses Gespräch angesetzte Zeit für die fachlichen und qualitativen Aspekte des Gesprächs nutzen. Damit schafft die künstliche Intelligenz neue Freiräume für den Einsatz emotionaler Intelligenz.

Als zweiten spannenden Punkt erläutert Norbert Janzen ein System, das Vorschläge erarbeitet, welcher Mitarbeiter welche Gehaltserhöhung verdienen sollte. Diese Vorschläge basieren auf den Marktdaten des jeweiligen Mitarbeiters und kalkulieren darüber hinaus dessen Fähigkeiten, seine heutige Bindung an das Unternehmen und seine künftige Bedeutung für das Unternehmen ein. Auf Managementebene führen diese datenbasierten Empfehlungen schließlich zu einer Entscheidung der Verteilung des Budgets und die Mitarbeiterfähigkeiten, dessen Skills stellen damit tatsächlich eine Währung dar: Jeder Mitarbeitende weiß dann, welche Fähigkeiten die Chancen auf eine Gehaltserhöhung vergrößern bzw. welche Skills nicht gebraucht werden. KI kann also den gesamten Lebenszyklus der Mitarbeitenden begleiten.

Das Verbindende zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden jedoch ist, wie Norbert Janzen noch einmal betont, die emotionale Intelligenz der Führungskraft, die zumindest bis auf Weiteres durch keine künstliche Intelligenz ersetzt werden kann. Und auch genau andersherum sei die Emotionalität des Mitarbeitenden als Reaktion auf beispielsweise eine Gehaltserhöhung weitaus höher, wenn diese Botschaft von der Führungskraft und nicht von einer Maschine kommt. Künstliche Intelligenz hat also die Aufgabe, die Führungskraft bis zur Entscheidung zu beraten – und der nächste und wichtigste Schritt wird dann von der Führungskraft gemacht. Nicht zuletzt aus diesem Grund bleibt die Schulung der Führungskräfte im Umgang mit KI der springende Punkt.

Wie kommen künstliche und emotionale Intelligenz an einen Tisch? Eins von vielen Themen, dem die LeadershipGarage auf dem CeBIT-Stand von IBM nachspürte.

In die Zukunft gesprochen sei seine Vision des Einsatzes von KI, so verrät uns Norbert Janzen noch, „Predictive HR“ – die KI, die vorhersagen kann, was morgen sein wird und uns echte Neuigkeiten an die Hand gibt. Nicht mehr nur der Umgang mit bestehenden Problemen, sondern der Umgang mit Neuigkeiten und Zukunftsthemen würde dann den Kern der HR-Arbeit bilden.

Für IBM ist der Einsatz Künstlicher Intelligenz im Personalbereich gelebter Alltag: Was bereits möglich ist, kommt dort, wo es möglich ist, zum Einsatz und die Implementierung der weltweit eingesetzten KI-Lösungen auch in Deutschland weiter voranzutreiben, sei ein wichtiges Ziel. Gerade in Deutschland gälte es daher zudem, auch die Mitbestimmung schneller und genereller zu machen, sodass nicht mehr jedes einzelne Update und Tool, sondern nur noch die großen Problemfälle einzeln verhandelt werden müssten.

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