LeadershipGarage Hybrid Stories (6)

Patrick Wasmund, Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung

Ich bin als Personalleiter im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung tätig. Das „EWDE“ ist ein Werk der evangelischen Kirche mit den Marken Brot für die Welt, Diakonie Deutschland und Diakonie Katastrophenhilfe. . Mein Aufgabenbereich ist die Personalbeschaffung, die Umsetzung von Strategien aus Personalsicht und das Abschätzen von Risiken. Die Komplexität meiner Aufgaben ist hoch und es beschäftigen mich immer sehr viele unterschiedliche Themen. Ganz aktuell ist es die Digitalisierung, hier wurde durch Corona noch einmal der Turbo angeworfen. Wir haben Digitalpiloten für bestimmte Themen: Welche fachliche Expertise brauchen wir für die Zukunft, wie müssen Arbeitsplätze gestaltet werden, wie nehmen wir auch Mitarbeitende „älteren Semesters“ mit, Stichwort „Lernfähigkeit“ und „Lernwilligkeit“? Problematisch ist auch, dass viele Projektpartner und Geldgeber immer noch alles in Papier erwarten. Ein weiteres Topthema ist die Arbeit an einer neuen Dienstvereinbarung zum Home-Office. Wir sind sehr traditionsbewusst und kannten bislang nur Einzel-, maximal Dreierbüros. Jetzt wollen wir mehr Richtung Home-Office gehen. Wenn die Mitarbeitenden sich dafür entscheiden, richten wir ihnen den Arbeitsplatz zuhause ein. Dann behalten sie ihren Anspruch auf einen Arbeitsplatz hier im Haus, aber das wird kein fester Büroarbeitsplatz mehr sein. Dieses Modell diskutieren wir gerade intensiv mit unserer Mitarbeitendenvertretung (analog zu Betriebsrat). Ein Problem wird sein: Die Führungskräfte befürchten den Kontrollverlust, die Mitarbeitenden den Verlust ihres festen Büroarbeitsplatzes – damit sind sie schließlich über 30, 40 Jahre großgeworden. Dabei sind die Büros aufgrund von Urlauben, Krankheiten, Dienstreisen etc. in der Woche zu lediglich 30 % ausgelastet. Es gibt eben auch, und das ist das dritte Topthema, eine große Sehnsucht, wieder ins Haus zu kommen. Wie integrieren wir die Mitarbeitenden, wie kommen wir wieder zusammen nach dieser Zeit? Das ist die Herausforderung dabei. Ich erlebe in meiner Abteilung im Rahmen der Coronakrise große Quantitäts- und Qualitätsverluste.

Patrick Wasmund

Reizvoll an meiner Arbeit in dieser Organisation ist die Komplexität des Hauses, die vielen Freiheiten, die man hier hat, und dass man etwas Gutes tut. Was ich aktuell am meisten vermisse, sind der Austausch und die kurzen Dienstwege. Beides ist in meiner Position sehr wichtig. Jetzt muss man sich noch mehr organisieren als vorher. Auch wenn elektronische Tools helfen, muss man doch mehr tun und alles ist komplizierter als vorher. Ich vermisse diese Unkompliziertheit.

Für mich zum Besseren gewendet hat sich die Anerkennung von Themen wie zum Beispiel Digitalisierung. Ich hatte es immer auch mit viel Verhinderung zu tun; durch die Pandemie wird der Mehrwert dieser Themen jetzt viel deutlicher erkannt. Und worauf ich mich persönlich wirklich freue, ist, wieder einmal zusammen in die Kantine zu gehen, dass Mittagspausen wieder Pausen sind und die Trennung von Beruf und Familie wieder klarer ist. Ich freue mich auf wieder geregeltere Abläufe, dass es strukturierter wird. Geregelte Abläufe werden viel zu häufig unterschätzt. Und darauf, dass man sich wieder ohne Masken sieht.

Um den Teamzusammenhalt auch in Zeiten verteilter Arbeit zu fördern, bieten wir viele Schulungen für Führungskräfte zum Thema Kommunikation an, und wir lassen uns zum Austausch oft auf Plattformen sehen. Wir haben auch zu virtuellen Kaffeerunden aufgefordert, aber das hat gerade bei manchen Mitarbeitenden nicht gut geklappt. Diese hatten sich ohnehin schon wenig getroffen und nun auch nicht in Zoom zum Smalltalk. Nach der Pandemie bieten wir viele Workshops an, damit man sich wieder näherkommt.

Mein Tipp an die Leser lautet: Die Mitarbeitenden müssen das Gefühl haben, dass die Führungskraft noch mehr für sie da ist. Auch wenn ich nicht viel Zeit habe, nehme ich mir Zeit für sie, und ich führe Mitarbeitergespräche, obwohl ich die Mitarbeitenden zurzeit kaum beurteilen kann. Nähe ist umso wichtiger jetzt, auch über Zoom. Man muss sich noch mehr sehen und nicht verdrücken.

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