LeadershipGarage Hybrid Stories (4)

 Matthias Struckmeyer, Stadt Hameln

 Als Fachbereichsleiter „Steuerung und interne Dienste“ bei der Stadt Hameln bin ich zuständig für die Bereiche EDV, Personal, Finanzen und alles, was mit zentralen Diensten zu tun hat – also zusammengefast für die innere Verwaltung, für die Steuerung und den Service aller Bereiche des Hauses. Wir sind hier ein 1000-Personen-Laden, da fällt immer etwas an. Hinzu kommt noch meine Funktion als Schnittstelle zur Politik.

Matthias Struckmeyer

Platz eins meiner Topthemen ist die Personalentwicklung. Das schließt den Kulturwandel hier im Hause ein, die richtigen Leute an den richtigen Stellen und auch die Ausbildung und Praktika. Eine der wichtigsten Herausforderungen hierbei ist es, für Akquise und Bindung zu sorgen, denn wir gehen davon aus, dass bis 2030 im öffentlichen Dienst 800.000 Stellen offen sind, die es zu besetzen gilt. Der Ausstieg der „Baby-Boomer“, die bald in den Ruhestand gehen werden, beschäftigt alle Verwaltungen in Deutschland massiv. Da steigen ganze Führungsriegen aus, und da muss man als Verwaltung natürlich entsprechend vorbereitet sein.

Das zweite Topthema ist die Digitalisierung. Auch unabhängig von Corona, aber das ist natürlich ein Brandbeschleuniger. In diesen Krisenzeiten gehen plötzlich Sachen, bei denen man vorher noch große Bauchschmerzen hatte. So etwa das Thema Home-Office und alle Themen, bei denen schon vorher die Sicherheitsaspekte stark im Vordergrund standen. Auch habe ich jetzt erstmals Leute eingestellt, ohne sie vorher physisch gesehen zu habe. Da hatte ich zunächst schon meine Fragezeichen, wie das mit der Anbindung in diesen Zeiten klappen wird. Aber im Nachhinein kann ich sagen: Es hat hier im Hause erstaunlich gut geklappt! Gerade haben wir uns als „Best Place to Learn“ zertifizieren lassen. Dafür wurden alle Azubis, alle Kräfte, die frisch in den Beruf eingestiegen sind, und alle Ausbilderinnen und Ausbilder befragt. Im Ergebnis ist die Bindung dieses Ausbildungsjahrgangs wirklich gut. Das freut einen natürlich, darüber bin ich sehr froh. Die Einbindung in die Hybridform scheint zu klappen.

Mein drittes Topthema ist das normale Tagesgeschäft, zum Beispiel die gefühlt 100 Mails am Tag, die man händeln muss. Das hat durch dieses Verschieben ins Digitale noch einmal stark zugenommen. Und auch, was man sonst vielleicht so im Türrahmen besprochen hat, ist jetzt elektronische Kommunikation auf unterschiedlichen Plattformen. Da immer alles im Blick zu halten, ist schon eine Herausforderung.

Zurückblickend ist es die klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit, die für mich den größten Unterschied zum Arbeiten innerhalb des Unternehmens macht. Auf der einen Seite schätze ich die Flexibilität, auch mal auf der Terrasse arbeiten zu können. Aber auf der anderen Seite wird es natürlich entgrenzter. Was ebenfalls vorher besser ging, waren die Gespräche im Türrahmen. Und sehr geschätzt habe ich auch, in einem Team zu agieren und dass dieses Team eben auch gefühlsmäßig da ist. Dass sich hier alle gut verstehen und gut miteinander auskommen, ist ein bei der Stadt Hameln wirklich ausgeprägter Faktor – und ein hoher Wert. Da müssen wir schauen, dass das jetzt auch so bleibt.

Was ich durch meine hybride Arbeitsform am meisten vermisse, ist, dass ich selbst im Büro kaum noch Leute sehe. Und auch als Führungskraft Präsenz zu zeigen, ist digital schwierig.

Zum Besseren gewendet hat es sich in punkto Flexibilität. Die wird auch von den Mitarbeitenden geschätzt, und es funktioniert auch gut. Im Großen und Ganzen läuft das Haus stabil, und das ist auch etwas, das für die Zukunft taugt.

Ich persönlich freue mich stellvertretend für meine Tochter darauf, wenn beim Besuch von Großeltern und Freunden nicht mehr nachgedacht werden muss. Wenn Besuch wieder natürlich ist und auch in der Schule wieder die Dinge gemacht werden können, die einfach Spaß machen. Diese Normalität wieder hinzubekommen ist das Wichtigste, denn die Kleinen leiden doch am meisten darunter.

Um unseren Teamzusammenhalt in Zeiten hybrider Arbeit aufrechtzuhalten, müssen wir als öffentliche Einrichtung natürlich andere Ideen finden als ein Unternehmen. So können wir zum Beispiel keine Goodies verschicken. Aber unsere virtuellen Kaffeerunden, also sich einfach auch mal ohne dienstlichen Grund zu treffen, sind gut, um weiterhin die Randgeräusche mitzubekommen. Wir hatten auch schon einen digitalen Spieleabend. Mit solchen Sachen müssen wir das, was wir vorher gemacht haben, gut ersetzen. Und ich pushe das auch hier im Hause: Alle müssen offen dafür sein, etwas anders zu machen, weil sonst die Bindung einfach verloren geht.

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