Ein Netzwerk zum Arbeiten

Soziale Netzwerke sind Wegbereiter der digitalen Arbeitswelt. Ein Besuch bei LinkedIn.

LinkedIn ist ein innovatives Unternehmen aus dem Silicon Valley, das seine Vernetzungskompetenz zum Geschäftsmodell erhoben hat. Rund 350 Millionen registrierte Nutzer aus über 200 Ländern präsentieren sich auf LinkedIn und bahnen Geschäftsbeziehungen an. Sie erzeugen einen „Traffic“, der die Webseite unter die 20 meistbesuchten in den USA katapultiert hat.

LinkedIn interessiert mich, weil Vernetzungskompetenz in der digitalen Welt immer wichtiger wird. Digitale Arbeitsstrukturen machen das Arbeitsumfeld zugleich komplexer und transparenter. Deshalb haben Busi­ness-Prozesse, vor allem Führungsent­scheidungen, heute eine viel größere Tragweite als im rein analogen Kontext. Das Management muss große Datenmenge bewältigen und sich auf das Wissen der Spezialisten verlassen. Führungskräfte und Angestellte pflegen einen offenen Dialog, der Mitwirkung, Wissensaustausch, Fortbildung und Karriereplanung fördert – so funktioniert Network Leadership.

Reale Welt: Ein Plausch mit dem Goldbären

Mich interessiert auch, wie US-amerikanische Business-Konzepte in Deutschland umgesetzt werden. Deshalb habe ich die 2011 eröffnete Dependance von LinkedIn in München besucht. Hier arbeiten etwa 30 Personen – und ein Goldbär. Die schrankhohe Plastikfigur sieht man manchmal auch als Verkaufsdisplay in Supermärkten oder Möbelzentren. In ihrem Bauch hängen Tütchen mit Fruchtgummi und Lakritz. Hier versorgen sich die Mitarbeiter auf Kosten des Hauses mit Süßem. Der Goldbär wird zum Treffpunkt – ein Sinnbild dafür, dass LinkdeIn weiß, wie wichtig persönliche Kommunikation auch in der digitalen Arbeitswelt ist.

Ich spreche mit der Pressesprecherin Gudrun Herrmann über zukünftige Projekte. LinkedIn plant unter dem Namen „LinkedIn@work“ ein neues Toolset für Führungskräfte, das nicht nur dem Selbstmarketing dient, sondern konkret das Arbeiten in der digitalen Welt unterstützt. Dies könnte ein Anknüpfungspunkt für eine Kooperation mit unserem Forschungsprojekt „Leadership & Network Competence in a Digital World“ sein. Wir untersuchen, wie Führungskräfte in einer modernen, digital vernetzten Arbeitsumgebung am effektivsten agieren können und welche unterstützenden Tools sie dafür brauchen.

Das Gespräch beschert mir einige spannende Erkenntnisse. Etwa die, dass LinkedIn seinen größten Wachstumsmarkt in Indien sieht. Oder dass viele deutsche Unternehmen für ihr Talent Management inzwischen lieber auf Mitarbeiterprofile in sozialen Netzwerken als auf klassische Bewerbungen und Personalakten zurückgreifen.

Verglichen mit den US-Amerikanern stehen wir Deutsche den sozialen Netzwerken allerdings noch eher kritisch gegenüber. Datensicherheit geht hierzulande vor. Aber auch wir können uns der Digitalisierung und Vernetzung der Arbeitswelt nicht verschließen. Besonders nicht im Personalmanagement. Talentsuche, Weiterbildung, Führung profitieren stark von den Möglichkeiten der digitalen Welt.

Prof. Dr. Sabine RemdischProf. Dr. Sabine Remdisch
Leiterin des Instituts für Performance Managements der Leuphana Universität Lüneburg und Gastwissenschaftlerin an der Universität Stanford.

Digitaler Fingerabdruck:
„Die Führungskraft auf Distanz wird weniger als Entscheidungsträger gebraucht, stattdessen müssen ihre Hauptfähigkeiten im Beziehungsmanagement liegen.“

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