Netzwerk mit Schlafplatz

Das Silicon Valley zieht Unternehmensgründer aus aller Welt magisch an. Aber wo sollen sie leben und arbeiten? Mietwohnungen sind extrem knapp und teuer. Bed|n|Build bietet Wohnen, Arbeiten und Vernetzen in einem.

Ich fahre mit dem Auto nach Atherton, einem  kleinen Städtchen, das an Palo Alto angrenzt, mitten im Silicon Valley. Die Straße führt durch eine der reichsten Gegenden mit den höchsten Immobilienpreisen in den USA. Mein Ziel ist das Bed|n|Build-House. Heute Abend findet hier der „Silicon Valley Startup Mixer“ statt, angekündigt als „Get together for a cold beer, catered food and a good chat“. Ich bin gespannt. Gegen 19 Uhr parken vor dem Haus auf einer Rasenfläche schon viele Autos, darunter einige hochpreisige. Die Tür steht offen, Stimmengewirr dringt nach außen. Ich bin mit einem Gast aus Deutschland gekommen, einem Konzernmanager, der mich in Stanford auf dem Campus besucht hat und dem ich anbot, die Kultur und den Gründergeist des Silicon Valley live zu erleben.

Im Haus treffen wir auf rund 40 Personen. Das große Wohnzimmer und die Küche sind voll, auch draußen auf der Terrasse am Pool sind Leute in Gespräche vertieft. Ein junger Gründer aus Indien stellt sich uns vor und erzählt von seinem Business: Er beliefert mit seinem Startup Firmen in der Region mit frischem Essen und Snacks – als Alternative zu den herkömmlichen Verkaufsautomaten, an denen man sich bei der Arbeit zwischendurch einen ungesunden Schokoriegel oder Chips zieht. „You eat what you see“, sagt er, und das sollten eben nicht Schokoriegel sein, sondern das frische gesunde Essen, das er liefert. Klingt nach einer Geschäftsidee mit Zukunft.

Mein deutscher Gast und ich sprechen mit dem Gründer der Initiative Bed|n|Build, Oliver Hanisch. Wir wollen wissen, wie alles begann – und was Bed|n|Build überhaupt ist. Mittlerweile gibt es in San Francisco und im Silicon Valley vier von diesen Häusern. Bed|n|Build versteht sich als „Co-living space for members of the startup community“, als Anlaufstelle für Unternehmensgründer, die sich fern der Heimat aufhalten. Ein „landing pad and home away from home“. Es interessiere ihn nicht, ob sich jemand als Entrepeneur, Hacker oder Designer sehe, klärt uns Oliver auf. In der Definition von Bed|n|Build seien das alles „Builder“, Menschen, die etwas anpacken und aufbauen. Diesen Menschen biete Bed|n|Build einen Platz zum Zusammenleben und -arbeiten, der sicher und flexibel sei und wo man jede Menge Spaß haben könne.

Zu der Geschäftsidee hat beigetragen, dass es extrem schwierig ist, im Silicon Valley einen möblierten Raum für wenige Wochen oder Monate zu mieten – vor allem wenn man aus dem Ausland kommt und sich noch nicht in das US-System der Kreditkartengesellschaften und einer vertrauenswürdigen „Credit History“ eingefügt hat. Mietgelegenheiten sind Mangelware, auf jeden Fall reichen sie nicht für die vielen Hundert hoffnungsvollen Jungunternehmer, die über Startup-Programme ins Silicon Valley geschleust werden. Da ist es wieder, das Problem mit den Rekordmieten und -immobilienpreisen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie viel Zeit und Geld es kostet, eine geeignete Unterkunft zu finden – die meist auch nicht besonders schön ist.

„Wir haben viele Gründer kennengelernt, die mehr damit beschäftigt waren, ihr Wohnproblem zu lösen als sich auf ihr Unternehmen zu konzentrieren“, erzählt Oliver. „An diesem Punkt kommen wir ins Spiel: Wir bieten eine Mitgliedschaft bei Bed|n|Build an, durch die Gründer einen Platz zum Leben und Arbeiten erhalten. Und das zu einem möglichst geringen Preis.“ Bed|n|Build ist aber mehr als eine Vermietung. Mitglieder werden automatisch Teil eines Netzwerks, das außergewöhnliche Kreativität und Leistung generiert. „Wir bringen Talente von überall auf der Welt zusammen“, sagt Oliver.

Inzwischen hat das Programm des „Startup Mixer“ begonnen. Oliver und sein Kollege begrüßen die Gäste, die sich in je einem Satz vorstellen: Was machen sie, warum sind sie heute Abend da. Ich erlebe eine illustre Mischung aus jungen Gründern und in der Regel älteren Investoren, die sagen, dass sie Talente suchen. Die Vorstellungsrunde kurbelt die Gespräche an, ein toller Einstieg ins Netzwerken, das auch während des Essens – es gibt Mexican Food – andauert. Ich sammle fleißig Visitenkarten oder vernetze mich gleich vor Ort über LinkedIn. Auch mein Gast aus Deutschland ist beeindruckt. „Es gibt sie hier wirklich, die Investoren, die man einfach so auf einer lockeren Party trifft“, sagt er. Ja, das zeichnet das Silicon Valley aus: „It’s all about networks“, finde ich mal wieder bestätigt.

Prof. Dr. Sabine RemdischProf. Dr. Sabine Remdisch
Leiterin des Instituts für Performance Managements der Leuphana Universität Lüneburg und Gastwissenschaftlerin an der Universität Stanford.

Digitaler Fingerabdruck:
„Die Führungskraft auf Distanz wird weniger als Entscheidungsträger gebraucht, stattdessen müssen ihre Hauptfähigkeiten im Beziehungsmanagement liegen.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.