18 Minuten Hochspannung

Brillante Köpfe aus Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik halten Impulsvorträge von maximal 18 Minuten Dauer. Das ist das Konzept der TEDx-Konferenzen, die weltweit stattfinden, auch an der Stanford University.

Das CEMEX-Auditorium der Stanford University fasst 600 Zuhörer. Heute ist es bis auf den letzten Platz gefüllt, die Karten waren im Vorverkauf nach einer Stunde weg. Auf der Bühne prangt ein „TEDx STANFORD“-Schild, sonst nichts. Mehr Deko wäre überflüssig, weil TEDx-Konferenzen von den herausragenden Referenten leben. Gleichwohl kommt die Unterhaltung nicht zu kurz: Zwischen den maximal 18-minütigen Vorträgen überzeugen witzig-spritzige Anmoderationen, fetzige Musik und kurze Bühnen-Acts.

Die Veranstaltungsbühne von TEDx Stanford
Die Veranstaltungsbühne von TEDx Stanford (Foto: Remdisch/privat)

TED steht für Technology, Entertainment, Design. Unter dieser Abkürzung findet seit 1990 eine jährliche Innovationskonferenz in den USA statt. Das Themenspektrum wurde sukzessive erweitert und reicht heute bis zu Kultur und Kunst. Es geht um die Zukunft: Wer eine Idee hat, wie die Welt besser werden könnte, darf über alles reden – nur nicht über 18 Minuten. „They’re not all perfect. But they are all short“, heißt es auf der Website ted.com. Zu den Referenten gehörten unter anderem Bill Clinton, Philippe Starck oder Isabel Allende.

Seit 2009 vergibt die TED-Organisation Lizenzen für parallele Konferenzen in aller Welt. Viele Universitäten, darunter Stanford, haben das Angebot angenommen. Diese Konferenzen firmieren unter „TEDx“, etwa „TEDx STANFORD“. Das Konzept ist überall gleich: Brillante Köpfe teilen ihre Ideen und die Veranstalter sorgen dafür, dass die besten Vorträge und Interviews kostenlos als Videos über das Internet verbreitet werden. Bislang sind über 50.000 so genannte „TEDx Talks“ entstanden, von denen die interessantesten auf ted.com abgerufen werden können.

TEDx STANFORD hat Vordenker aus Wissenschaft, Wirtschaft, Medizin und Kunst auf die Bühne gebracht. Ihnen ist eines gemeinsam: Sie brennen für ihr Thema. Sie sprechen über Rassismus, Wasserversorgung, gesundes Altern oder über die Odyssee, die ein schwules Paar durchmachte, als es ein Kind adoptierte.

Bei gutem Wetter auch draußen bei TEDx
Bei gutem Wetter auch draußen bei TEDx (Foto: Remdisch/privat)

Was fasziniert das Publikum der TEDx Talks? Ich schaue mich im CEMEX um und habe den Eindruck, dass alle gebannt zuhören. Sie merken, dass die Redner wirklich etwas zu erzählen haben, dass sie leidenschaftlich ihre Ideen vertreten. Das reißt mit. Diejenigen, die das Auditorium besonders fesseln, sind „TED-famous“ und bekommen viele Klicks im Internet. Es sind die persönlichen Einblicke, die einen guten Talk ausmachen. Herausragende Redner wecken und teilen Emotionen. Sie erzählen eine Geschichte; sie nehmen die Zuhörer mit, indem sie Fakten und Emotionen verweben.

Ich denke, TEDx Talks können auch die Führungsarbeit in Unternehmen befruchten. Durch Ansprachen im TED-Stil erreichen Führungskräfte ihre Mitarbeiter, sie vermitteln Inspiration und Motivation. Vielleicht ist das ein Ansatzpunkt für ein neues Workshop-Format: TEDx Talks erzeugen Bilder in den Köpfen der Mitarbeitenden; sie zeigen ihnen, was wirklich wichtig ist. Das wäre ein gelungener Einstieg in Schulungen und Trainings. Auch für meine MBA-Studierenden überlege ich, wie wir TEDx Talks als Übungsformat integrieren können: Wer sein Thema vor den Kommilitonen auf 18 Minuten eindampfen muss, lernt sich zu fokussieren und Komplexität zu reduzieren. Gleichzeitig trainiert er die Prinzipien der begeisternden Rede.

(Aufmacherfoto: Remdisch/privat)

Prof. Dr. Sabine RemdischProf. Dr. Sabine Remdisch
Leiterin des Instituts für Performance Managements der Leuphana Universität Lüneburg und Gastwissenschaftlerin an der Universität Stanford.

Digitaler Fingerabdruck:
„Die Führungskraft auf Distanz wird weniger als Entscheidungsträger gebraucht, stattdessen müssen ihre Hauptfähigkeiten im Beziehungsmanagement liegen.“

1 Kommentar

  1. Gerlinde Tennhoff
    ·

    Liebe Frau Remdisch, ihr Bericht macht richtig Lust auf die TEDx-Konferenz in Lüneburg.

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