LeadershipGarage Mittelstand Digital Roadshow (3)

Zuvor: Teil 1 (mit den Stopps 1–3) sowie Teil 2 (mit den Stopps 4–6)


Stopp 7 – 27.02.18 – Braunschweigische Landessparkasse

Branche: Kreditinstitut

Größe: 700 MA          

Gesprächspartner: Michael Madel/Chief Digital Officer, Thomas Fehst/Personalleiter

Meine beiden Gesprächspartner Michael Madel und Thomas Fehst erklären mir, dass vor kurzer Zeit ein digitales Steuerungsboard gegründet wurde, dem sechs „digitale Stoßrichtungen“ untergeordnet sind, unter anderem der Aufbau eines papierlosen Beratungsprozesses, der Einsatz von Big Data zur gezielten Kundenansprache, die Vernetzung mit anderen Unternehmen im Near-Banking-Bereich und die Digital Readiness, also das Mitnehmen der Mitarbeiter im Transformationsprozess.

Die deutliche Stärke des Unternehmens liegt in der Integration der Mitarbeiter in den Transformationsprozess, welche immer die Möglichkeit zur Mitgestaltung haben.

Nachdem anfangs (und immer wieder) gemeinsam diskutiert wird, welche Projekte in den einzelnen Themenbereichen bearbeitet werden sollen, werden diese anschließend von interessierten Mitarbeitern durchgeführt. So sind momentan fünfzehn Themen in der aktiven Bearbeitung, eine Timeline und die Inhalte legen die Teams dabei selbst fest. Um die Projekte ins Unternehmen zu tragen, sollen in Zukunft sogenannte Digital Scouts als Multiplikatoren agieren und in Digi-Telcos haben alle Mitarbeiter die Möglichkeit, zu erfahren, an welchen Teilprojekten gearbeitet wird.

Bei all den laufenden Projekten besteht die Herausforderung darin, einen nachhaltigen kulturellen Wandel zu schaffen. In diesem Hinblick sind vor allem die Führungskräfte gefragt, sich aktiv am Transformationsprozess zu beteiligen und sich mit Themen wie der Führung auf Distanz auseinanderzusetzen. Solche Themen werden relevant, sobald die Mitarbeiter nicht mehr jeden Tag in der Filiale sitzen: Wir müssen es schaffen, dass die Führungskräfte sich als Motoren und als wichtige Bestandteile dieses Transformationsprozesses begreifen und nicht auf der Zuschauerbank sitzen. Anders kann der Wandel nicht gelingen. Madel und Fehst heben hervor, dass dies kein neues Projekt darstellen soll, sondern ein übergeordneter, kultureller Transformationsprozess ist.

Stopp 8 – 28.02.18 – KL Personalmakler (Netzwerkpartner)

Branche: Personalvermittlung

Gesprächspartner: Katrin Labs-Schmidt

Meine nächste Gesprächspartnerin, Katrin Labs, kann bereits 20 Jahre Erfahrung im Personalvermittlungssektor vorweisen. Im Laufe der Zeit hat sie viele Änderungen in diesem Bereich miterlebt. Während sie zum Beispiel früher in der Direktansprache bei Kandidaten eine Antwortrate von 80-90 Prozent hatte, liegt diese mittlerweile bei 10 Prozent. Die mittelständischen Unternehmen sind gefragt, sich zu ändern und neben digitalen Geschäftsmodellen neue Arbeitsweisen zu etablieren um auch für die jungen Menschen interessant zu sein, sagt Frau Labs.

Bei ihrer Teilnahme an der Delegationsreise ins Silicon Valley war meine Interviewpartnerin fasziniert von der Risikokultur und der Offenheit gegenüber neuen Ideen. Man kommt mit einem ganz anderen Drive zurück und lernt neue Ansätze kennen, die ich auch direkt hier ausprobieren wollte. Das war auch damals für mich der Anlass, mein Geschäftsmodell komplett zu überdenken. Ich spezialisiere mich jetzt mehr, zum Beispiel auf Frauen in Führungspositionen und externes Personalmanagement für KMU. Diesen Mindset des Ausprobierens neuer Ideen und die jahrelange Erfahrung in den verschiedensten Branchen machen Frau Labs zu einer wertvollen Netzwerkpartnerin. Wir freuen uns, dass Sie mit an Bord sind!

Stopp 9 – 28.02.18 – Aventics GmbH

Branche: Herstellern von Pneumatikkomponenten und -systemen

Größe: 2.000 MA

Gesprächspartner: Dr. Frank Theilen/Dr. Michael Britzger

Erst letztlich habe ich die These gehört, Unternehmen wandeln sich nicht, solange sie nicht den konkreten Nutzen, der aus einer digitalen Transformation für sie entsteht, erkennen. Der steht bei Aventics dagegen an erster Stelle: Wir verknüpfen neue Arbeitsweisen immer mit dem konkreten Mehrwert, den sie unseren Mitarbeitenden bieten. Bei uns arbeitet niemand agil, nur um agil zu arbeiten. Der Change in den Köpfen der Menschen kommt über den Inhalt in den Projekten. Das macht das Ganze greifbarer und vermittelt Glaubwürdigkeit. Das erklären mir Dr. Frank Theilen und Dr. Michael Britzger, ein ITler und ein Physiker, die gemeinsam das Digital Transformation Office bei Aventics ausmachen.

Konkret sind das zum Beispiel Projekte aus dem IoT-Bereich, der gerade bei Aventics im Aufbau ist. Neue Produktentwicklungen werden dort mit neuen Arbeitsweisen gekoppelt. Beispielsweise, dass wir sehr viel früher an den Kunden rangehen, mit ihm zusammen neue Lösungen entwickeln, anschließend ein Ecosystem aus Kunden und Lieferanten entwickeln und zum Thema Pneumatik dann auch einen entsprechenden Mehrwert liefern können, erklärt mir Frank Theilen die Bestrebungen in diesem Bereich. Ein zweites großes Projekt, verknüpft mit neuen Arbeitsweisen, ist die Einführung von Office 365. Hier sollen alle Mitarbeiter geschult werden, um den konkreten Mehrwert, den ihnen diese Anwendung liefert, zu verstehen.  

Durch die Projekte sollen veränderte Arbeitsweisen ins Unternehmen Einzug erhalten. Das Thema Veränderung der Kultur geht also Hand in Hand mit den drei inhaltlichen Blöcken der Digitalisierungsstrategie Neue Produkte und Services, Digital Sales und Marketing und unterschiedlichen Effizienzthemen.

Wie Unternehmen es schaffen, kleine, agile Elemente in Projekte zu bringen und Mitarbeiter dazu bewegen, mehr Verantwortung zu übernehmen, sind Themen, die Aventics definitiv schon jetzt weitergeben kann.

Stopp 10 – 23.03.18 – Felix Schoeller Technocell

Branche: Papierindustrie

Größe: 2.500 MA

Gesprächspartner: Rainer Höcker, SVP CC Human Ressources / Anett Hötzel, Head of Digitalization

Mein letzter Stopp führt mich nach Osnabrück, ins Unternehmen Felix Schoeller. Meine beiden Gesprächspartner Rainer Höcker und Anett Hötzel beschreiben mir den Veränderungsprozess des Familienunternehmens folgendermaßen: Felix Schoeller war über viele Jahre höchst erfolgreicher Papierhersteller im Bereich der analogen Fotografie. Dieser Markt ist durch die Digitalisierung rückläufig, das analoge Fotogeschäft muss durch andere Produktsegmente ersetzt werden. Wir schauen uns auch systematisch digitale Anwendungsgebiete an, um neue Marktpotenziale zu erschließen, erklärt Rainer Höcker.

Für die Felix Schoeller Group gliedert sich das Thema Digitalisierung in drei Schwerpunkte: Themen rund um den Bereich Industrie 4.0, die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle sowie die Digitalisierung interner Prozesse. Insbesondere für die beiden letztgenannten Aufgabenfelder wurde im September 2017 eine Digital Unit unter der Leitung von Anett Hötzel gegründet. Als begleitend und unterstützend über die drei Schwerpunktthemen hinweg sehen die beiden Fragestellungen wie „Wie führen wir in Zukunft? Wie ändert sich die Art der Zusammenarbeit?“

In einem ersten Projekt wurden bereits erfolgreich neue Formen der Zusammenarbeit ausgetestet: Mithilfe der Design Thinking Methode wollten Anett Hötzel und ihr Team konkrete Ansätze für neue Geschäftsmodelle im Bereich digital bedruckbarer Tapeten finden. Ganz im Sinne des Design Thinking Prozesses begannen sie mit Interviews entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dabei sprachen sie unter anderem mit Distributoren, Onlineshops und den Endkunden, um die Bedürfnisse auf jeder Stufe zu analysieren. Danach ging’s in die Phase der Ideengenerierung und Bewertung, anschließend wurden vier Prototypen erstellt. Eine Idee wird nun als Minimum Viable Product umgesetzt. Der ganze Prozess (bis hin zur Umsetzung) verlief in nur vier Monaten. Dabei denkt das Unternehmen gleich vielfach auf neue Art und Weise: Neben neuen Arbeitsmethoden wird mit der entstandenen Idee auch erstmals ein Produkt direkt für den Endkunden geschaffen.

Nicht reden, sondern machen – dieser Ansatz gefällt mir gut, zumal so ziemlich anschaulich dargestellt wird, welchen konkreten Nutzen diese neuen Arbeitsmethoden für das Unternehmen darstellen (neue Produktentwicklung in sehr kurzer Zeit).

Dieses Austesten neuer Arbeitsmethoden ist gut, jetzt geht es allerdings darum, solche Ansätze ins gesamte Unternehmen zu tragen: Wir wollen keine digitale Insel der Glückseligkeit. Wir möchten diese Ansätze auch erfolgreich ins Unternehmen tragen, um insgesamt innovativer zu werden fassen meine beiden Gesprächspartner zusammen.

 

 

 

Hannah VergossenHannah Vergossen
Institut für Performance Management

Digitaler Fingerabdruck:
„Try out and fail fast“ – Unternehmen brauchen agile Prozesse und eine ausgeprägte Fehlerkultur um im Wettbewerb bestehen zu können.

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