Leading Innovation – wie es wirklich ist

Im Rahmen der LeadershipGarage-Lounge 01/2018 diskutierten führende Köpfe renommierter Unternehmen, wie in ihren Organisationen Innovation nach vorne gedacht und „Leading Innovation“, das Thema dieses Kongresses, praktisch umgesetzt wird.

Bei Fruits & Talk stehen die Teilnehmenden der LeadershipGarage-Lounge 01/2018 in gesprächigen Runden zusammen. Auf den interaktiven Ergebnistransfer, in dem Prof. Dr. Sabine Remdisch soeben aktuelle Erkenntnisse ihrer Forschungsarbeit zum Ambidextrous Leadership, dem Konzept der „beidhändigen Führung“ von Innovationsprozessen in Unternehmen vermittelte, folgt nun der Blick in die andere Richtung – hinein in die Unternehmenspraxis:  Wie geht man dort ganz praktisch an Innovationsentwicklungen heran und wie werden die Führungskräfte auf die neuen Herausforderungen des digitalen Wandels vorbereitet? Um diese unmittelbaren Verknüpfungen von Digitalisierung und Innovation soll es in der nun folgenden und gut 60-minütigen Podiumsdiskussion gehen. Und auch die steht unter den beiden Leitgedanken, die das Team LeadershipGarage ihrer Lounge insgesamt mit auf den Weg gegeben hat: der Idee der Mitmach-Lounge, in der die Teilnehmenden nicht einfach Informationskonsumenten sind, sondern stets interaktiv in die Themen einbezogen werden, und dem „Really-Gedanken“, der jenen Geist des Silicon Valley aufgreift, Themen stets wirklichkeitsnah und ungeschminkt aufzugreifen, also nicht einfach danach zu fragen, wie es ist – sondern danach, wie es wirklich ist.

Schon nehmen die Diskussionsteilnehmenden auf der Bühne Platz, und ein jeder von ihnen hat sein spezifisches Praxisthema in diese Gesprächsrunde mitgebracht:

Leading Innovation Themen

Sechs führende Köpfe, viele zentrale Aspekte

Jan Balcke, Head of Vocational Training bei Airbus SE, ist dort Experte für die „Qualifizierung für die digitale Zukunft und Gestaltung zukünftiger Arbeitsplätze“, Dr. Stefanie Krauß, Change Management, Organisationsentwicklung bei der Audi AG, erläutert zu „Leading Innovation in Großunternehmen: Ambidextrie des Tankers ist die notwendige Voraussetzung, damit intern wie auch extern entwickelte Innovationen andocken können“, für Christian Holz, Referent Programme  bei der Deutschen Bahn AG, spielt das Thema „Wir bilden Zukunft – Wie die DB in der digitalen und kulturellen Transformation Mitarbeiter und Führungskräfte fit macht“ die zentrale Rolle, Maria Kösterke, Referent human resource development bei der AOK Nordost, berichtet über die „Reflektionsräume zum digitalen Führen in der AOK Nordost: Ideen, Formate, kritische Würdigung, Ausblick“, Sascha Ullrich, Projektmanager Cultural Change bei der Commerzbank AG, will „Führungskräfte für die digitale Welt fit machen – Einblick in die Digital Leadership Challenge“ und Dr. Annette Freitag, Specialist for Education bei der Bundesagentur für Arbeit, setzt „Employer branding mit Serious Games“ um.

Moderiert wird das Podium von Prof. Dr. Sabine Remdisch, die auch die LeadershipGarage leitet. Und das Linksaußen der Bühne besetzt LeadershipGarage-Mitarbeiter James Long, der die interessierten Fragen und Beiträge der Zuhörenden im Laufe der Diskussion digital einfangen für alle Teilnehmenden sichtbar einblenden wird.

Es ist also ein breites Spektrum auf dem Podium vertreten – Dienstleistung, Produktion, eine Behörde –, und doch sind die Gemeinsamkeiten groß. Schon die Auftaktrunde macht deutlich, welchen Raum die digitale Transformation und die damit forcierten Innovationsnotwendigkeiten in jeder der hier vertretenen Organisationsformen einnimmt. Da sind auf der einen Seite die eher praktischen technologischen Veränderungen von Arbeitsabläufen im Blue Collar-Bereich. Die eigentliche Herausforderung aber liegt nach Ansicht des Podiums in den neuen Denk- und Handlungsmustern, wie sie die digitale Transformation in den Unternehmen nötig machen und vor allem den White Collar-Bereich betreffen wird. Notwendig ist ein Mindset-Shift und das Einnehmen einer auch ganzheitlich neuen Haltung gegenüber den sich verändernden Bedingungen, wie Jan Balcke aus seinen Beobachtungen bei Airbus und darüber hinaus berichtet.

Diese Bedeutung einer ganz neuen Unternehmenskultur ist in dieser Diskussionsrunde mehr als präsent. Und es sind insbesondere die Führungskräfte, denen hier die maßgebliche Rolle zur Meisterung der anstehenden Herausforderungen des digitalen Wandels und Hervorbringung von Innovationsbereitschaft in den Unternehmen zugeschrieben wird. Ein Unternehmen wie Audi nutzt dazu unter anderem das Konzept des Ambidextrous Leadership, wie Dr. Stefanie Krauß herausstellt. Auch Deutsche Bahn und AOK setzen auf Führungskräftefortbildungen mit Programmen, die der Förderung der digitalen „Fitness“ dienen und richten Austausch-, Impuls- und Reflektionsräume ein, in denen Führungskräfte ihr digitales Know-how erweitern, innovative Ansätze entwickeln und sich zu spezifischen Themen austauschen können. Die Commerzbank, so berichtet Sascha Ullrich aus seinem Bereich, initiierte die Digital Leadership Challenge, in der die Führungskräfte konzentriert innerhalb von nur vier Monaten „auf digital getrimmt“ werden, und die Bundesagentur für Arbeit etabliert spezielle Führungskräfteseminare und neue Unterrichtsformate mit eben diesen Zielsetzungen.

Zuhörerbeiträge willkommen

Immer wieder wendet sich der Blick vom Podium auch in die Reihen der Zuhörenden und auf deren Beiträge zum Thema. Sie bringen unter anderem die Frage ein, wie idealerweise die Betriebsräte in die sich verändernden Bedingungen der Unternehmen und Organisationen einzubinden sind oder auch, welche Bedeutung dem klassischen Ideenmanagement – auch als betriebliches Vorschlagswesen bekannt – im Zuge der beschriebenen Transformationen noch zukommt bzw. künftig zukommen wird. Themen, die von den Podiumsgästen gerne aufgegriffen werden, spielen sie in deren Berufsalltag doch eine zentrale Rolle.

So erhalten wir unmittelbare Einblicke in die teils kontroversen Auseinandersetzungen mit Betriebsrat und anderen Sozialpartnern, erfahren aber auch, wie die Beteiligten beispielsweise bei „Kaffee und Mettbrötchen“ und in Form gemeinsam erarbeiteter Vereinbarungen zueinander finden konnten – wir lernen, wie wichtig das Miteinander und das Einbeziehen aller Beteiligten in diese Zeiten des Aufbruchs ist. Und das betriebliche Vorschlagswesen? Wird hier und dort noch praktiziert, zunehmend jedoch durch neue, schnellere und unbürokratischere Formate ersetzt. Was bestehen bleibt, sind jedoch die Grundwerte: Wer mitmacht, der muss auch belohnt und an den Erfolgen beteiligt werden, muss Gehör finden und Feedback erhalten.

Es mangelt den Unternehmen, wie Maria Kösterke abschließend noch einmal betont und ihre Kolleginnen und Kollegen bestätigen, ganz sicher nicht an Ideen – umso wichtiger sei es daher, Freiräume zu schaffen, in denen diese Ideen freigesetzt und nutzbar gemacht werden können.

Und noch drei weitere plakative Erkenntnisse lassen sich schlaglichtartig aus dieser Diskussion mitnehmen: Da ist zum einen die Bedeutung der häufig noch weit auseinanderliegenden Umsetzungs- und Entscheidungsgeschwindigkeit, wie sie Jan Balcke mit ins Rennen warf. Zum anderen der relevante Unterschied zwischen erwünschter Fehlertoleranz und auch künftig nicht zu duldendem Fehlerverhalten, wie Sascha Ullrich im Kontext der Fehlerkulturdebatte noch einmal deutlich differenzierte. Und da ist zum dritten die Freiwilligkeit, die „Koalition der Willigen“, auf die Christian Holz innerhalb seines Unternehmens auf dem Weg ins digitale Zeitalter setzt.

Alles in allem nahmen die Lounge-Teilnehmenden an einer höchst inspirierten und zudem lehrreichen Podiumsdiskussion teil, in die ganz bewusst beide Seiten der digitalen Medaille moderiert wurden: die Chancen und glänzenden Beispiele erfolgreicher Konzepte und Strategien hin zur innovativen Organisation einerseits, aber ebenso auch die Fallstricke, die auf dem Weg dorthin lauern können. Denn es sind, so weiß es Prof. Dr. Sabine Remdisch aus eigener Erfahrung mit den Arbeitsweisen im Silicon Valley, gerade die Fehler, aus denen der Stoff zum Lernen gezogen werden kann.

Die Podiumsdiskussion der LeadershipGarage-Lounge 01/2018 haben wir auch in einem Videomitschnitt zusammengefasst.

Die LeadershipGarage-Lounge ist eine Veranstaltung des Team LeadershipGarage im Verbund mit ihren Unternehmenspartnern und des H-STAR Institute der Stanford University als Sparringspartner.

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