SchNAPp dir das Talent

“The war for talent is over, and the talent has won” (Josh Besin)

Welche Rolle spielt Snapchat im „War for Talents“? Welche Vorteile besitzt das Medium gegenüber anderen sozialen Plattformen? Employer Branding und Storytelling auf der App mit dem weißen Geist – ein Erfahrungsbericht aus Sicht der hart umfochtenen Talente.

Es ist 7 Uhr morgens, der Wecker auf meinem Handy klingelt und ich drücke die Snooze-Taste. Es wird Zeit für die Uni. Doch bevor ich aufstehe, verweile ich noch kurz im Bett und schaue, was ich über Nacht in der digitalen Welt verpasst habe. Mein morgendliches Social-Media-Ritual beginnt auf Instagram. Neben den Posts von Freunden und Modebloggern, die ich abonniert habe, schleicht sich auch eine gesponserte Anzeige in den bunten Mix: „Die Fashionweek als Karrierestart bei P&C“. Darüber ein perfekt inszeniertes Bild von gut aussehenden jungen Mitarbeitern, die an einem weißen Hochglanztisch arbeiten. Authentisch geht anders. Es wird Zeit für einen Szenerie-Wechsel – sowohl offline als auch online.

Ich sitze mittlerweile am Frühstückstisch und führe meinen mobilen Ausflug auf Facebook fort. Auch hier muss ich nicht lange warten, bis ich auf meiner Pinnwand mit „Hi Gang!“ von der Future Talents-adidas Group careers Seite begrüßt werde. Auf dem Bild lächelt mir Maria entgegen, die lässig im Adidas-Look gekleidet und laut Text als Rekrutierungsmanager für das Headquarter in Amsterdam tätig ist. Sie preist die Internationalität und Diversität des Adidas-Teams an und verweist auf einen Link, der mich zu 56 Stellenanzeigen führt. Doch ich bin schon spät dran und packe das Handy schnell in meine Tasche, bevor ich zum Bus eile.

Außer Atem setzte ich mich auf den letzten freien Platz und hole mein Smartphone wieder hervor. Ich freue mich bereits auf den finalen Abschnitt meiner digitalen Reise, den ich mir bis zum Schluss aufgehoben habe. Er beginnt mit dem Öffnen der App Snapchat. Mir springen sofort ein Dutzend Snaps meiner Kommilitonen entgegen, die ihren nicht ganz so ansehnlichen Filterkaffee oder ihren „Bad Hair Day“ mit mir teilen. Am meisten fiebere ich allerdings der Snapchat-Story von VaynerMedia entgegen. Ja, Sie haben richtig gelesen – VaynerMedia. Kein Star, keine Band und auch kein Freund, sondern eine Werbeagentur, deren Snapchat-Stories es geschafft haben, mich über die letzten Wochen in ihren Bann zu ziehen.

VaynerMedia bietet seinen Followern exklusive und authentische Einblicke in ihre Unternehmenskultur und liegt damit voll im Trend des digitalen Employer Branding. Jede Woche übernimmt ein anderer Mitarbeiter ­ vom Praktikanten bis zum Chef ­ den Snapchat-Account und gibt dem Follower eine persönliche Führung durch seinen Arbeitsalltag. Dadurch ermöglichen sie dem potenziellen Mitarbeiter, sich schon vor seiner Bewerbung als Teil des Teams zu fühlen und eine emotionale Bindung zum Unternehmen aufzubauen. In Echtzeit erhält man unverfälschte Einblicke über die Kommunikation im Unternehmen, die Arbeitsatmosphäre und die Aufgabenvielfalt, lernt potenzielle zukünftige Kollegen kennen und wird durch lustige Snaps das ein oder andere Mal zum Lachen gebracht. Es entsteht eine Interaktion mit der Zielgruppe, die auf Augenhöhe stattfindet.

Aber VaynerMedia ist nicht das einzige Unternehmen, das sich bereits eine treue Followerschaft auf Snapchat aufgebaut hat. Auch Amazon, General Electric, JPMorgan und viele weitere internationale Organisationen probieren sich derzeit auf der noch recht jungen App aus. Sie haben erkannt, dass die Waffen im „War for Talent“ nicht mehr groß angelegte Printkampagnen sind, sondern Snaps und Stories. Denn Snapchat gehört im Ranking mittlerweile zu den Top 3 der beliebtesten Apps unter den Millenials und wird somit zurecht als eine der einflussreichsten Branding-Plattformen gehandelt. Die 100 Millionen Nutzer weltweit sorgen für täglich 7 Milliarden Video-Views. Im Vergleich dazu: Facebook schafft rund 8 Milliarden Views pro Tag und hat 1,7 Milliarden Nutzer.

Doch nicht nur die reine Betrachtung der Zahlen spricht für den Aufstieg von Snapchat in die Königsklasse der sozialen Netzwerke. Es sind vielmehr drei entscheidende Faktoren, die Snapchat ihren großen Brüdern (Instagram & Facebook) voraus hat und die es, aus meiner Sicht, zu einer idealen Bühne für digitales Employer Branding werden lassen:

  • Authentizität: Photoshop adé! Auf Snapchat kann kein vorab verarbeiteter Content gepostet werden. Dadurch entstehen glaubwürdige Momentaufnahmen, die so auf keiner anderen Plattform kommuniziert werden können. Gerade auf Instagram und Facebook sehen die Posts meist sehr gestellt und bearbeitet aus. Die Mitarbeiter ähneln eher Models und das Büro ist vergleichbar mit einem Luxusapartment. Snapchat dagegen öffnet ein Fenster in die reale Welt des Unternehmens und macht sich so für das Talent greifbar und echt.
  • Engagement: Fotos, Videos, Chats –­ Snapchat ist eine sehr interaktive Plattform und bietet im Gegensatz zu Facebook und Co. kreativere und individuellere Möglichkeiten, die Zielgruppe in die Geschichten einzubinden. Nutzer können ihre Bilder und Videos mit einer Vielzahl an Emoticons, Filtern und Schriftzügen verzieren und somit ihre eigene Persönlichkeit noch stärker zum Ausdruck bringen. Außerdem sind die geschickten Bilder und Videos nur für eine begrenzte Zeit für ihre Empfänger sichtbar. Nicht jedes Bild muss also perfekt sein, da es nicht für die Ewigkeit Bestand hat. Das baut Hemmungen ab und ist mit der Grund für eine sehr aktive Community auf Snapchat. Ganz anders sieht das mittlerweile beispielsweise auf Facebook aus, wo die meisten Nutzer nur noch passiv durch ihre Pinnwand scrollen.
  • Storytelling: Die Macht der Geschichten wird besonders auf Snapchat deutlich, das Storytelling praktisch in seiner DNA verinnerlicht hat. Das Medium eignet sich durch sein Feature „Stories“ geradezu perfekt für den neuen Kommunikationstrend. Stories auf Snapchat bestehen aus den gesammelten Bildern und Videos eines Tages, die chronologisch abgespielt werden. Unternehmen wie VaynerMedia haben sich diese Funktion zunutze gemacht, um eine authentische Geschichte aus Sicht der einzelnen Mitarbeiter zu erzählen und die Zielgruppe dadurch emotional an sich zu binden. Und es funktioniert, zumindest hat es das bei mir.

Offline habe ich mittlerweile das Ziel meiner Reise – den Unicampus – erreicht, und auch online kommt mein kleiner Ausflug durch das Social Employer Branding mit dem Schließen der App zum Ende. Ich bin mir sicher, dass wir von Snapchat in der nächsten Zeit noch einiges hören werden und lege jedem Unternehmen nahe, sich intensiv damit zu beschäftigen. Gerade in Deutschland, wo Snapchat von Arbeitgebern noch kaum genutzt wird, ist jetzt der ideale Zeitpunkt, sich auszuprobieren, seine individuelle Snapchat-Strategie zu entwickeln und sich dadurch die Pole-Position in den Köpfen der jungen Talente zu sichern. Nur auf Facebook und Instagram vertreten zu sein, reicht nicht mehr aus! Ich werde den Snapchat-Auftritt meines zukünftigen Arbeitgebers auf jeden Fall genauer unter die Lupe nehmen.

LITERATUR:

Steuer, Philipp (2016): Snap me if you can. (E-Book) URL: http://snapmeifyoucan.net/ Stand: 05.06.2016

Carolin BeckerCarolin Becker

Wirtschaftspsychologie-Studentin im 4. Semester an der Leuphana Universität Lüneburg sowie Mitglied bei Contact & Cooperation – studentische Unternehmensberatung Lüneburg e. V.

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