Remote Collaboration – Mit dem Avatar zum Meeting

Gaming Technology könnte die virtuelle Zusammenarbeit revolutionieren. Die neuen 3D-Welten bieten ungeahnte Möglichkeiten.

Bei der Zusammenarbeit auf Distanz, bzw. Remote Collaboration, war die verwendete Kommunikationstechnologie schon immer ein Schlüsselfaktor. Je schneller und umfangreicher kommuniziert und Arbeitsanweisungen und Daten ausgetauscht werden konnten, desto effizienter funktionierte der Arbeitsprozess. So wurden sämtliche erfolgreiche Kommunikationstechnologien schnell zum Bestandteil der Arbeit verteilter Teams. Von Telegrafie über Telefon, Fax, Internet und Mobilfunk wurde und wird alles genutzt, was die Zusammenarbeit verbessert. Heute stellen die digitalen Technologien einen anhaltenden Megatrend dar, der mit immer neuen Kommunikationsmöglichkeiten überrascht. So wurde aus der E-Mail in den letzten Jahrzehnten die unangefochtene Königin der digitalen Bürokommunikation und die Web-Konferenz über Skype und Co. zum viel genutzten Ersatz für das persönliche Meeting. Allein diese beiden Medien haben die Art und Weise der Zusammenarbeit auf Distanz massiv verändert. Doch auch diese Technologien haben ihre Grenzen und so ist man für die Zusammenarbeit auf Distanz stets auf der Suche nach besseren Technologien. Heute kommen immer häufiger Remote Collaboration Tools zum Einsatz, die in einem gemeinsamen Interface einen Echtzeit-Chat mit digitalem Projekt- und Datenmanagement verbinden (z.B. Hall, Campfire oder Basecamp). Der nächste Schritt könnte es sein, diese Systeme mithilfe von Gaming Technology aus dem Browserfenster in eine virtuelle Realität zu übertragen.

Die Verlagerung von digitaler Zusammenarbeit in eine 3D-Welt, wie wir sie heute nur aus Videospielen kennen, stellt eine gravierende Veränderung dar. Während sich mit aktuellen Tools nur einzelne Dokumente gemeinsam betrachten oder bearbeiten lassen, finden wir hier eine komplexe virtuelle Arbeitsumgebung vor.

Im virtuellen Büro lassen sich Dokumente jeder Art im Raum (ver-)teilen, um sie gemeinsam zu betrachten, zu diskutieren und in Echtzeit zu bearbeiten. Die Möglichkeiten, die sich hier bieten, sind enorm und werden nur durch die Phantasie der Anwender und die Rechenleistung der Computer begrenzt. Doch auch die Wahrnehmung der Teammitglieder ändert sich hier deutlich. Durch Avatare bekommen die Kollegen nun plötzlich eine viel persönlichere Präsenz. Auch wenn die Technologie, hier die Software TERF® von 3D Immersive Collaboration, noch in den Anfängen steckt, lässt sich bereits erahnen, dass ein Flur-Gespräch künftig auch mit dem Kollegen möglich wäre, der acht Zeitzonen entfernt in China arbeitet. Wir können davon ausgehen, dass eine Zusammenarbeit auf Distanz durch derartige 3D-Welten revolutioniert werden kann. Insbesondere wenn man ein Zusammenspiel mit Brillen für Virtual Reality oder Augmented Reality mitdenkt.

Die Auswirkungen dieser neuen Technologie auf das Arbeiten sind auch für die Wissenschaft von größtem Interesse. Eine zentrale Frage ist dabei natürlich, wie sich virtuelle Arbeitsumgebungen wie TERF® auf die Effizienz von Arbeitsprozessen und die Performanz der Mitarbeiter auswirken. Neben dem betriebswirtschaftlichen Nutzen ergeben sich jedoch zahlreiche weitere Fragestellungen: Wie beeinflussen 3D-Welten die Bindung der Mitarbeiter an das Team? Entsteht ein echtes Gefühl der Zusammengehörigkeit? Lässt sich zwischenmenschliches Vertrauen erhöhen, wenn wir über Avatare miteinander kommunizieren? Die Auswirkungen auf diese und weitere wissenschaftlich belegte Schlüsselfaktoren der Zusammenarbeit auf Distanz gilt es in Zukunft zu erforschen.

Christian OttoChristian Otto

Wissenschaftlicher Mitarbeiter am IPM

Digitaler Fingerabdruck:
„Die Digitalisierung verändert mehr als das Medium.“